Hölderlin

Hölderlin | | 2020 |

Wortgewaltig und mit feiner Feder die Höhen und Tiefen des Lebens auskostend, schrieb Hölderlin in einer bis heute modernen Sprache vom Leiden an der „Bleiernen Zeit“, die alles Lebendige erstarren lässt, von der Sehnsucht nach Liebe und Schönheit und der Gewissheit, dass der Mensch von Natur aus gut ist. Hölderlins Gedichte feiern in den Jahren nach der französischen Revolution die Freiheit als Bedingung allen Lebens.

Kongenial verwandeln die Grenzgänger auf ihrem elften Album Hölderlins Verse in Lieder, die die Jahrhunderte seit ihrer Entstehung überbrücken: Zwischen „Zorniger Sehnsucht“, „Blödigkeit“ und „So kam ich unter die Deutschen“ sind die vierzehn ausgewählten Hölderlin-Texte von teilweise erstaunlicher Aktualität, mit einer Musik zwischen Blues und Folkrock, Pop und E-Musik, mit Anklängen an Kurt Weills Dreigroschenoper, Tom Waits, Eisler und Motown. Für die Studioproduktion um Schlagzeug und Bass, Saxophon und E-Gitarren, Geige und Mundharmonika erweitert, präsentiert das Bremer Quartett um Michael Zachcial erneut ein außergewöhnliches Album zwischen Anspruch und Ohrwurmqualität.

Die Lieder:

Schicksalslied / Hymne an die Freiheit /  Blödigkeit / Abendphantasie / Rousseau / Hälfte des Lebens / An die Klugen Ratgeber /  So kam ich unter die Deutschen / Der Wanderer /  Lebenslauf  / Zornige Sehnsucht /   Die Ehrsucht / Aussicht / Schwabens Mägdelein (feat. Thomas Felder)

Hölderlin:

Friedrich Hölderlin (1770-1843) war gerade 19 Jahre, als im Nachbarland Frankreich die Bastille gestürmt und die Menschenrechte zum Gesetz wurden. Mit gleichgesinnten Schulfreunden, darunter dem später weltberühmten Philosophen Friedrich Hegel, begeisterte er sich für die Revolution und sah ein neues goldenes Zeitalter der Menschheit kommen.

Beeindruckt vom dem französischen Philosophen Rousseau, dessen Thesen „Der Mensch ist von Natur aus gut, die Gesellschaft macht ihn zum Verbrecher“ und „Die Früchte gehören allen, die Erde aber niemandem“, begann Hölderlin zu schreiben. Vor allem den griechischen Dichter Pindar nahm er sich zum Vorbild und dessen „Werde, der du bist!“

Zeit seinen Lebens kämpfte Hölderlin gegen widrige Verhältnisse im Obrigkeitsstaat Württemberg an. Er ist Mitte 30, als man ihn verhaftet und wegen „Hochverrats“ verurteilen will, dem Prozess kann er entgehen, weil man ihn als „geisteskrank“ abstempelt. So verbringt er die zweite Hälfte seines Lebens in angeblicher „geistiger Umnachtung“ in dem Tübinger Turm, der heute seinen Namen trägt.

“… eine glückliche Hand möge unserer Jugend die Zeugnisse deines Geistes sammeln, daß sie sich von neuem daran erbaue, wenn die dunkle Wolke der Gegenwart drückend über ihrem Haupte lastet! Wir haben soviel Zeit für das Unzeitgemäßeste, und bedenken uns wegen der Minute, die wir einem so himmlischen Genius weihen wollen?”   (Georg Herwegh, 1839)

Pressestimmen:

Hölderlins Gesänge von Sehnsucht nach Liebe und Freiheit: Geschmeidig packt Zachcial die komplexen Verse in einprägsame Melodien. Das “Wohin denn ich?” aus der “Abendphantasie” ist ein echter Ohrwurm…. Mit klugem Booklet einer der schönsten Einstiege in ein als sperrig geltendes Werk. (René Zipperlen, Badische Zeitung)

Das Hölderlin Album der Grenzgänger schafft den Spagat zwischen gut durchhörbarer Chanson-CD und literaturgeschichtlicher Bildung verblüffend souverän. Schon wie es losgeht – das lässt aufhorchen. Ein Akkordeon, eine zerlebte, verbrauchte, verschlissene Männerstimme, „Ihr wandelt droben im Licht…“, dann Kirchenglocken und das weitere Schicksalslied der Leidenden im Jazzclub-Cabaret – da wird gleich eine Stimmung erzeugt, Atmosphäre geschaffen …. das hat etwas von bester Weill/Brecht-Tradition….. Das Album besticht musikalisch .. in den ausgefeilten Kompositionen und Arrangements der Grenzgänger. (Hinter den Schlagzeilen)

“Überhaupt ist die musikalische Bandbreite des Albums verblüffend: Die Grenzgänger haben ein Album eingespielt, das den Spagat zwischen Folk und Pop wie einen kleinen, eleganten Tanzschritt wirken lässt. Über die Musik und den ausdrucksstarken Gesang von Michael Zachcial rückt einem der vor 250 Jahren geborene Dichter plötzlich ungewohnt nahe – und wer weiß: vielleicht haben die Grenzgänger Hölderlin in seinem Jubiläumsjahr eine Menge Fans verschafft, die sonst von dem schwäbischen Dichter kaum mehr als den Namen gekannt hätten.”
(Bernhard Jugel, Bayrischer Rundfunk)

“Außerordentlich hörenswert!  Das große Verdienst dieser Platte ist der Balanceakt zwischen ehrlichem Interesse an der Geschichtlichkeit dieser mehr als 200 Jahre alten Dichtung und ihrer Bedeutung fürs Hier und Jetzt.  Song für Song mischen sich neue Einflüsse in die Folk-Grundstimmung und zugleich in Hölderlins Sprache…” (Jan-Paul Koopmann, taz)

“Wie gut sich Folkrock selbst mit schwer zugänglicher Lyrik verträgt, zeigt das Bremer Quartett “Die Grenzgänger” auf seinem elften Album “Hölderlin”. Am beeindruckendsten erscheint die Umsetzung des einzigen Prosastücks. Das soulig unterlegte “So kam ich unter die Deutschen”, Hyperions zornige Brandrede wider die “Barbaren von alters her”, hat durch seine flugs zum mitreißenden Refrain umgestaltete Eingangszeile, jawohl, Hitpotential. … eine feine Hommage an den Freiheitsdichter Hölderlin.” (Steven Thomsen, Publik-Forum, Nr.10)

“Ein solches Geburtstagsständchen hat er wirklich verdient: Friedrich Hölderlin, Jahrgang 1770. Dabei verstehen es Michael Zachcial und seine Kollegen, den passenden Ton anzuschlagen. Wieder einmal ein bestens informiertes und musikalisch glänzend umgesetztes Album der „Grenzgänger“. (Hans Reul, Belgischer Rundfunk)

“Einen hervorragenden Zugang zu seinem Werk schafft die Gruppe „Grenzgänger“ mit ihrem neuen Album “Hölderlin”.” (CW, Rote Fahne)

„Die Grenzgänger“ aus Bremen haben sich auf die Vertonung geschichtlicher Themen konzentriert….  Und nun also Hölderlin. Es ist die Nr. 11 dieser verdienstvollen Reihe, und es ist ein gelungener Spagat zwischen Folk und Pop, vom Bayerischen Rundfunk zu Recht als „Album der Woche“ gewürdigt. Vor allem der ausdrucksstarke Gesang des Initiators der Gruppe, Michael Zachcial, trägt dazu bei, dass die CD auch ein jüngeres Publikum für die Gedichte des als schwierig geltenden schwäbischen Poeten gewinnen könnte.” (Erich Maletzke, Schleswig-Holsteinische Landeszeitung)

„Es ist ja so, dass eigentlich jeder den Namen Hölderlin kennt, aber die wenigsten können etwas von ihm rezitieren“, sagt der Gitarrist und Sänger. So bezeichnete der „Südkurier“ den Dichter gar als Popstar. Und genauso klingen auch die Pop- und Folksongs, gewürzt mit einer Prise Blues und Jazz, in die „Die Grenzgänger“ den teilweise hohen, hymnischen Ton Hölderlins gehüllt haben. (Sigrid Schuer, Weser-Kurier)

 

Die Musiker:

Michael Zachcial: Gesang, Gitarre
Felix Kroll: Akkordeon, Gesang
Frederic Drobnjak: E-Gitarre, Konzertgitarre, Ukulele, Gesang
Annette Rettich: Cello, Gesang
Jan Fritsch: Altsaxophon, Tenor- und Baritonsaxophon
Jan-Sebastian Weichsel: Geige, Mandoline
Steve Baker: Mundharmonika
Claudius Toelke: Kontrabaß, E-Baß
Friedemann Bartels: Schlagzeug
Jutta Gürtler: Chor
Thomas Felder: Schwäbische Strophe bei “Schwabens Mägdelein”