CD “Knüppel aus dem Sack” (Fallersleben)

Fallersleben | | 2002 |

Hoffmann von Fallersleben war wohl der populärste Sänger der Revolution von 1848. Obwohl seine Lieder lange Zeit in aller Munde waren, ist er heute nahezu vergessen und seine Bücher sind nur noch in Antiquariaten zu erhalten. Seine Zivilcourage, seine Wut über Willkür und Zensur, seine frechen Verse auf Obrigkeit, Polizei und kleingeistige Landsleute wirken dabei auch heute noch unglaublich aktuell. Von „Deutschland, Deutschland über alles“ bis zu „In Deutschland fängt man niemals an, in Deutschland hört man auf“ zelebrieren die Grenzgänger eine grandiose und höchst unterhaltsame Auseinandersetzung mit „dem deutschen Wesen, an dem dereinst die Welt genesen“ sollte – das Album zur Deutschen Wiedervereinigung schlechthin!

Die Bundeszentrale für politische Bildung buchte das Programm anläßlich ihres 50-jährigen Jubiläums mehr als 40 mal und schickte die Grenzgänger kreuz und quer auf einer LKW-Bühne durch die Innenstädte dieser Republik.

Preis der deutschen Schallplattenkritik!
CD des Monats Liederbestenliste.

Pressestimmen:

Hier kommt etwas außergewöhnliches. Vielleicht die wichtigste deutsche Folklore-CD des Jahres 2002 überhaupt. Die CD strotzt von Gedanken mit Phantasie, Musikalität, Rap, Rhythmen bis zum griechischen Sound, Blues, Lied, schönen, neuen Melodien, garniert mit 3 Sätzen von politischen Auftritten. Endlich eine Folkplatte, die an die Spitze von Musik im Land gehört.
Sie knüpfen an Peter Rohland an und machen da weiter, wo “Zupfgeigenhansel” abgebrochen hat. Sie sind zu gut für großen Umsatz? Wir wünschen ihnen, dass diese CD im Land und im Ausland wohlbekannt wird. Bekommen wir als nächstes von ihnen eine Heinrich-Heine-CD? Oder eine Brecht-CD? Oder einfach schöne und kritische Volkslieder, garniert mit Tanzmusiken? Hauptsache es dauert nicht wieder mehrere Jahre, bis die nächste CD zu uns kommt.  (Hedo Holland, Folk-Magazin Nr. 240, April 2002)

Zurecht ist das Album nominiert worden für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Deutsche Geschichte mal anders. Ein Muss. (Lars Christiansen im WOM-Journal, April 2002)

Kaum zu fassen, wie aktuell der Dichter nach mehr als 150 Jahren heute noch ist. Was Michael Zachcial, Jörg Fröse und Friedemann Bartels daraus machen, ist musikalisch und inhaltlich toll, weit mehr als unkonventioneller Geschichtsunterricht. Kabarettisten, Literaten und Musiker in Personalunion, vermischen sie traditionelle Musikstile mit neuen Rhythmen, greifen parodierend auf deutsches Volksliedgut zurück und peppen es mit heißen lateinamerikanischen Rhythmen auf. Zachcials variationsreichem, bitterbösen, dann wieder weichen Gesang glückt dabei ein original unverbrämter Einblick in Fallerslebens damalige Befindlichkeit, seine Zivilcourage und Risikobereitschaft, seine Wut über erlittene Demütigungen und die Willkür von Machthabern, seine Häme angesichts feiger Philister, demgegenüber seine fast devote Anpassungsfähigkeit an die Obrigkeit. Über eine Hommage an den nicht unumstrittenen Schriftsteller, Germanistikprofessor und Revolutionär hinaus, warten die Lieder mit einer gehörigen, mühelos auf gegenwärtige Verhältnisse übertragbaren Prise Kritik an der Gesellschaft auf und laden ein zu erneuter, unbefangenerer und damit zeitgemäßer Diskussion über Fragen deutscher Identität. (Inge Zenker-Baltes, Foyer, Kulturjournal für Bremen und den Nordwesten, Nummer 45)

Wir haben die Lieder mit viel Vergnügen gehört. Es ist schön zu wissen und natürlich zu hören, daß sich dieser Texte mit soviel Musikalität und Engagement angenommen wird.
(Uwe Römhild, Redakteur “Scheibenwischer”, 15.3.2002)

“Eine musikalisch und inhaltlich wesentliche CD – und als erste konkrete Maßnahme zur Behebung der deutschen Bildungsmisere eine – mindestens eine! – in jede weiterführende Schule!”
(Jens-Peter Müller im Nord-West-Radio, 21. Januar 2002)

“Hoffmanns spitze Texte gegen Polizeistaat, Fürsten und König, gegen Spießer und Spitzel, Obrigkeitsdenken und Zensur haben seit ihrer Entstehung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nichts an Aktualität verloren. Gemäßigter Hip-Hop, Tango, Swing und zupackende Folk-Rhythmen decken nie die Texte zu, unterstreichen aber deren Gegenwärtigkeit.”
(Weser, Kurier, 19.12. 2001)

Die CD beginnt mit O-Tönen, die einen Tiefpunkt deutscher Musikgeschichte markieren: Aus Freude über den Fall der Mauer krächzen Willy Brandt und Helmut Kohl “Einigkeit und Recht und …..”. Der Deutschlandliedmacher Hoffmann von Fallersleben konnte aber auch anders. Folk-Rocker Michael Zachcial und seine Grenzgänger haben den Satire-Nachlass des 1874 Verstorbenen gesichtet und singen daraus Verse, die zu seinen Lebzeiten verboten waren und heute noch gültig sind – zum Beispiel: “Das ist nun mal der Lauf / In Deutschland fängt man niemals an / In Deutschland hört man auf.”  (Winfried Dulisch, Stereoplay)

Ein Querulant war er, ein schwarzes Schaf. „Kleingeistige Kriecher“ nannte Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) seine deutschen Landsleute, die nichts von fremden Kulturen wissen wollten. Er verspottete Beamte als „Knechte der Gewalt“ und verachtete die Regierung, die „ein freies Gemüt hasst“. Wegen von Fallerslebens „bitteren Spottes“, mit denen er die „öffentlichen und sozialen Zustände in Deutschland“ angriff, sprachen ihm die Innenminister ein Berufsverbot aus. Der Hans Söllner des 19. Jahrhunderts „sang mit einem Humore, unter dem der tiefste Schmerz verborgen liegt“…  (Lars Christiansen, in „1/4 nach 5“, FC St.Pauli Fanmagazin, Juni 2002)

Wie in jedem Folker gibt es auch diesmal wieder eine CD, die aus der Masse herausragt: Bein Hören dieser musikalischen Geschichtsstunde wird schnell deutlich, wie treffend und aktuell von Fallerslebens zynische Gesellschaftskritik heute immer noch oder wieder ist: ein musikalisch wie literarisch anspruchsvolles und unterhaltsames CD-Projekt. (Ulrich Joosten, in :Folker 2/2002)

Gewiss hat sich manches gebessert in deutschen Landen. Doch ein Blick vor und hinter die Kulissen des aktuellen politischen Theaters oder gar in die deutsche Seele macht überdeutlich, dass von Fallersleben auch heute noch reichlich Themen für Kritik finden würde. Ja, er müsste sogar seine besten Lieder kaum oder gar nicht verändern. Eines davon gab nun einer empfehlenswerten CD den Titel.  “Knüppel aus dem Sack” nennt das Bremer Folktrio Grenzgänger seiner Kollektion der, so der Untertitel, “garstigen Gesänge des Hoffmann von Fallersleben”. Stilistisch pendelt die Gruppe um den ausdrucksstarken Sänger Michael Zachcial namensgerecht zwischen Klängen und Rhythmen der alten und der neuen Welt und machen von Fallersleben zum Zeitgenossen. (Liederbestenliste, die persönliche Empfehlung im Monat März 2002, von Michael Henkels, Hamburg)

Knüppel aus dem Sack: CD des Tages – 23. März 2002
Radio Brandenburg, 23.3.2002